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Unteres OdertalUnteres Odertal

E+E Vorhaben: Erhaltung und Wiederherstellung von Lebensräumen des global bedrohten Seggenrohrsängers durch neue Wege im Management von Feuchtgrünland am Beispiel des Nationalparks „Unteres Odertal“
- Wissenschaftliche Begleitung -

Zusammenfassung

Ziel der Wissenschaftlichen Begleitung ist die fachliche Unterstützung und der Nachweis der Wirksamkeit der im Hauptvorhaben „Erhaltung und Wiederherstellung von Lebensräumen des global bedrohten Seggenrohrsängers durch neue Wege im Management von Feuchtgrünland am Beispiel des Nationalparks Unteres Odertal“ entwickelten und erprobten Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Wiesenvögeln und ihren Habitaten im Nationalpark Unteres Odertal. Außerdem werden die Ergebnisse und ihre Übertragbarkeit wissenschaftlich dokumentiert. Zur Homepage des Hauptvorhabens
Das Hauptvorhaben (2011-2014) verfolgt drei Ziele:
  • Entwicklung von mindestens 200 ha Lebensraum des Seggenrohrsängers durch Verbesserung der Wasserverhältnisse und Etablierung einer rotierenden Grünlandnutzung im Polder 5/6 als Trittstein zum benachbarten polnischen Brutgebiet
  • Erhaltung und Förderung des auentypischen Mosaiks aus Lebensraum für Wiesenvögel (Seggenrohrsänger, Wachtelkönig, Rotschenkel) und Brenndolden-Auenwiesen durch räumlich flexible / rotierende Nutzung mit angepassten Mahdterminen, „Wachtelkönigfreundliche Mahd“ mit Schutzstreifen und Neuanlage von Brenndolden-Auenwiesen
  • Kostenbilanzierung und Bewertung bzw. Entwicklung von Finanzierungsmodellen für die angepasste Grünlandnutzung, die nach Projektende im Unteren Odertal sowie auch in anderen SPA die notwendigen Maßnahmen zur angepassten Grünlandnutzung sicherstellen können.
Innerhalb der Wissenschaftlichen Begleitung (2012-2015) werden folgende Schwerpunktbereiche bearbeitet:
  • Beratung und Erfolgskontrolle des Hauptvorhabens bei Evaluierung der Entwicklung von Wasserregime und Vegetation
  • Beratung und Unterstützung des Hauptvorhabens bei der Abgrenzung von Schutzzonen und bei der Festlegung von Empfehlungen für Mahdtermine innerhalb einzelner Grünlandflächen und von Empfehlungen für langfristige Managementmaßnahmen, insbesondere bzgl. des Nutzungsregimes, in den Poldern A/B
  • Beratung und Unterstützung des Hauptvorhabens bei der  Festlegung von Empfehlungen für Mahdtermine innerhalb einzelner Grünlandflächen und von Empfehlungen für langfristige Managementmaßnahmen, insbesondere bzgl. des Nutzungsregimes, in den Poldern A/B
  • Beratung und Unterstützung des Hauptvorhabens bei Vorschlägen für übertragbare Finanzierungsmöglichkeiten
Für die Erfolgskontrolle des Vorhabens werden auf die Zielarten/Ziellebensräume und auf die Habitateignung bezogene Indikatoren entwickelt und – soweit möglich – auf repräsentativen Dauerbeobachtungsflächen untersucht. 

Projektgebiet

Projektgebiet ist der Nationalpark „Unteres Odertal“. Hier finden sich in den Poldern zwischen Lunow und Gartz/Oder die Lebensräume, die das Projekt erhalten und pflegen will, ebenso wie Flächen, die es noch zu entwickeln gilt. Das Gebiet hat eine bundesweit einzigartige Bedeutung als Lebensraum für Seggenrohrsänger und Wachtelkönig und weist große Bestände von Brenndoldenwiesen mit typischen Stromtalpflanzen auf.
Zur Homepage des Nationalparks "Unteres Odertal"

Bearbeiter

Dr. Franziska Tanneberger (Koordination) Dr. Magdalena Wojciechowska (vegetationskundliche Untersuchungen) Susanne Arbeiter (ornithologische Untersuchungen; am Lehrstuhl für Tierökologie (Prof. Dr. Klaus Fischer) am Zoologischen Institut und Museum, Universität Greifswald)

Laufzeit

01.01.2012-31.12.2015

Förderer

Finanziert wird die Wissenschaftliche Begleitung durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Zur Homepage des BfN

Projektpartner

Die Wissenschaftliche Begleitung kooperiert eng mit dem Hauptvorhaben des E+E Vorhabens und dessen Partnern.
Zur Homepage des Hauptvorhabens

Projektergebnisse 2012

Im Jahr 2012 erfolgte die Anschaffung von Ausrüstung, Erprobung von Methoden (insb. Fang und Besenderung von Wachtelkönig-Weibchen) und Erstaufnahme von Flächen vor der Wiedervernässung (Polder 5/6) und vor der Ausbringen von Diasporen (Polder A). Es wurden Spender- und Empfängerflächen für den Diasporentransfer von Cnidion-Arten ausgewählt. Die Nutzung der Schutzstreifen durch Wachtelkönig-Weibchen konnte erstmals durch Telemetrie dokumentiert werden. Die bisherige Datenauswertung liefert erste wichtige Erkenntnisse und dient der Präzisierung der in den Folgejahren zu bearbeitenden Fragen.

Projektergebnisse 2013

Im Jahr 2013 wurde die Erstaufnahme von Flächen vor der Wiedervernässung (Polder 5/6) vervollständigt und die Vegetationsdatenbank zu diesem Gebiet erweitert. Weitere geeignete Cnidion-Empfängerflächen wurden anhand von Geländehöhe und Standortbedingungen identifiziert. Die Ergebnisse des Diasporen-Transfers wurden an fünf Transekten untersucht (Polder A) und die erfolgreiche Ansiedlung mehrere Cnidion-Arten konnte dokumentiert werden. 2013 konnten die Methoden zu Wachtelkönigfang und -besenderung weiter verbessert werden. Es wurden insgesamt zwei Weibchen und vier Jungvögel besendert, allerdings traten Schwierigkeiten mit der Senderbefestigung auf. Bei 30 Fangversuchen in 18 Schutzstreifen konnten in vier Streifen sieben Vögel (vier Altvögel, drei Jungvögel) gefangen werden. Eine spätere Nutzung der Schutzstreifen nach der Mahd konnte für sechs Wachtelkönige mithilfe der Telemetrie nachgewiesen werden.

Projektergebnisse 2014

Vegetationsstruktur-Untersuchungen im Seggenrohrsänger-Brutgebiet Krajnik, das gegenüber vom Polder 5/6 am östlichen Ufer der Oder liegt, zeigen keine weitere Verschlechterung der dortigen Habitatbedingungen und aktuell günstige Bedingungen an. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 21 Wachtelkönige (13 Männchen, vier Weibchen, vier Jungvögel) gefangen und davon 19 Wachtelkönige (12 Männchen, vier Weibchen, drei Jungvögel) telemetriert. Zusammen mit den Beobachtungen von 2012 und 2013 wurden insgesamt 30 Bruten nachgewiesen und die Phänologie berechnet. 20% der Bruten im Odertal wurden Mitte Juni begonnen. Etwa 10% der Brutnachweise wurden sogar erst zwischen Mitte und Ende Juli begonnen. Die Beobachtungen von 2014 bestätigen die Ergebnisse aus den Vorjahren zur Wirksamkeit der „wachtelkönigfreundlichen“ Mahd mit Schutzstreifen. Sowohl flugfähige Altvögel als auch flugunfähige Jungvögel flüchteten während der Mahd in Schutzstreifen und überlebten dort. Auf den Aussaattransekten war der Etablierungserfolg unterschiedlich und kann mit der Vegetationsstruktur erklärt werden. Beste Ergebnisse konnten auf dem Rohbodentransekt und mit Samen von Cnidium dubium und Sanguisorba officinalis erzielt werden. Fünf der ausgesäten acht Cnidion-Arten konnten etabliert werden. Ein Vergleich mit Cnidion-Flächen an der polnischen Unteren und Mittleren Oder unterstreicht die hohe Qualität der Spender-Flächen im Polder 10 und die unterschiedliche Eignung der Flächen im Polder A und B als Cnidion-Potentialfläche.

Projektergebnisse 2015

Die Ergebnisse des letzten Projektjahres werden in Kürze im Endbericht veröffentlicht.

Publikationen

  • Arbeiter S, Helmecke A, Franke E, Sadlik J, Haferland HJ, Tanneberger F & Bellebaum J (2013): Die letzten 10 Meter für den Wachtelkönig – Mahd mit Schutzstreifen im Nationalpark Unteres Odertal. Vogelwarte 51: 270-271.

  • Tanneberger F, Bellebaum J, Helmecke A, Minets M (2013): Nesting and foraging characteristics of the strongly declining Aquatic Warbler population in Pomerania. Acta Ornithologica 48: 109-118.

  • Bellebaum J, Tanneberger F & Haferland H-J (2014): Wasser und Wiesen für neuen Lebensraum – Seggenrohrsänger im Nationalpark Unteres Odertal. Vogelwarte 52: 251.

  • Bellebaum, J., Helmecke, A., Koffijberg, K. & Arbeiter, S. (2014) Wo man nicht mäht, da lass Dich ruhig nieder – verlängern Schutzmaßnahmen die Aufenthaltsdauer von Wachtelkönigen? Vogelwarte 52: 252-253.

  • Tanneberger F, Knöfler V, Linke W, Tegetmeyer C, Kloskowski J (2014) Rapid changes in vegetation structure of Aquatic Warbler habitats in Pomerania - outcomes of targeted five year habitat management. Plant Diversity and Evolution 130: 303-313.

  • Kloskowski J, Tanneberger F, Marczakiewicz P, Wisniewska A, Choynowska A (2015) Optimal habitat conditions for the globally threatened Aquatic Warbler Acrocephalus paludicola in eastern Poland and their implications for fen management. Ibis 157: 406–412.

  • Bellebaum, J. & Tanneberger, F. (2016) Wasser und Wiesen für den Seggenrohrsänger – Schutzmaßnahmen im Nationalpark Unteres Odertal. Natur und Landschaft.

Poster

  • Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Regensburg 2013
  • Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Bielefeld 2014
  • Deutsche Ornithologen-Gesellschaft Bielefeld 2014
  • 11th International Conference Synanthropization of flora and vegetation, Poznan 2014
  • International Corncrake Conference, Pilsen 2015